1. Geologie
  2. Gesteine

Flysch, der

Instabiles Sedimentgestein aus der Kreide

Der Rhenodanubische Flysch ist ein rhythmisch geschichtetes Sedimentgestein aus der Kreide, das im Tethysmeer abgelagert wurde. Harte Kalkplatten und -bänke wechseln sich darin mit weicheren Mergel-, Sand- und Tongesteinen ab. Der Begriff entstammt dem schweizerdeutschen Mundartwort FLYSCHEN für fließen. Denn wegen seines instabilen Aufbaus neigt der Flysch zu Hangrutschungen.
Stand:

Entstehung

Stark verfaltete Flyschgesteine im Lainbachtal bei Benediktbeuern in den Bayerischen Voralpen.

Der bis zu 1500 Meter mächtige Rhenodanubische Flysch bildete sich während der Kreide vor 130 bis 65 Millionen Jahre. Das rhythmisch geschichtete Sediment mit seiner wieder­kehrenden Abfolge aus Kalk, Mergel-, Ton- und Sandgestein ist das Ergebnis submariner Rutschungen, die von Erdbeben ausgelöst wurden. In der Geologie werden diese durch lawinenartige Trübeströme entstandenen Gesteine als Turbidite bezeichnet.Bei den Rutschungen glitt das Material vom flachen Schelfmeer über den Kontinentalhang unter hoher Geschwindigkeit in den Flyschtrog der Tiefsee ab.Dabei sanken zunächst die gröberen Sande zu Boden, danach die feineren Schwebstoffe, welche die Grundlage für das schiefrige Tongestein im Flysch bildeten. Die verschiedenen Bestandteile wurden also nach ihrer Größe sortiert. Zwischen den Trübeströmen sedimentierte im Flyschtrog auch Kalk, der je nach Länge des Zeitraums durch unterschiedlich dicke Bänke in Erscheinung tritt.

Eine Spezialform stellt der überwiegend im Allgäu vorhandene Wildflysch dar, in dem die einzelnen Gesteinsarten chaotisch durch­einander­gemischt sind, wohl verursacht durch Konglomerat- und Schlamm­schüttungen von nahen Klippen.

Flyschberge am Alpennordrand

Blick vom Hörnle bei Unterammergau in die bewaldeten Trauchberge mit dem Wildfeuerberg und der Hohen Bleick, die alle aus Flysch aufgebaut sind.

Die Rhenodanubische Flyschzone erstreckt sich in einem relativ schmalen Streifen am Alpennordrand vom Rhein bis zur Donau. Zum Alpenvorland hin schließen sich das Helvetikum und die Faltenmolasse an, Richtung Süden die Kalkalpen.
Die Flyschberge sind überwiegend dicht bewaldet. Von Natur aus wachsen auf dem fruchtbaren Flysch sehr vielfältige Wald­gesellschaften mit Buche, Ahorn, Ulme, Fichte und Tanne, wie sie in den wertvollen Wiesseer Flyschberge noch teilweise vorkommen.
Im Gegensatz zum Kalkalpin bringt der Flysch keine markanten Gipfel hervor, sondern eher rundliche Kuppen. Die Hänge sind vielfach steil und von tief eingeschnittenen Gräben zerfurcht.

Wegen ihrer schnellen Erreichbarkeit und den meist einfachen Wanderwegen besitzen die Flyschberge eine große touristische Bedeutung. Bekannte Gipfel sind beispielsweise die drei Hörnle im Ammergebirge, die Gindelalmschneid zwischen Tegernsee und Schliersee oder der Zwieselberg bei Bad Tölz.

Neigung zu Hangbewegungen

In den Flyschbergen treten Rutschungen selbst bei geringer Hangneigung auf. Wenn der Flysch durchnässt, quillt das Tongestein auf und verwandelt sich wieder zurück in den Schlamm, aus dem es entstand. Das verwitterte Ton- und Sandgestein wirkt zusammen mit Wasser wie ein Schmiermittel, auf dem die beständigeren Kalkbänke talwärts gleiten können. Besonders problematisch ist es, wenn die Schichten schräg liegen. Was Hangbewegungen angeht, werden die Flyschberge aus diesen Gründen überwiegend als Gefahrenzone bewertet.

Geotope und Exkursionen

Das Bayerische Landesamt für Umwelt stuft einige besonders eindrucksvolle Flysch­aufschlüsse als wertvolle Geotope ein. An erster Stelle zu nennen ist der Flysch im Röthenbachtal bei Halblech nahe Füssen in den Ammergauer Alpen, der zu den schönsten Geotopen Bayerns gehört. Ein weiteres beliebtes Exkursionsziel bildet das Lainbachtal bei Benediktbeuern in den Kocheler Bergen. Verteilt über ein größeres Gebiet gibt es dort zahlreiche Aufschlüsse direkt am Bachlauf. Ein zum Wandern sehr reizvolles Flyschgeotop ist außerdem der Gaisalptobel nahe Oberstdorf im Allgäu. Ein kleiner Felssturz in der Schlucht verdeutlich die Instabilität des Gesteins.

Flyschgesteine sind selten abbauwürdig. Nur vereinzelt existieren kleinere, inzwischen aufgelassene Steinbrüche. Der geologisch besonders wertvolle Steinbruch Kalkgraben am Schliersee, nach dem die Kalkgraben-Formation benannt wurde, kann leider nicht besucht werden. Am Högl in der Nähe von Bad Reichenhall befindet sich der öffentlich zugängliche Gschwendtner Steinbruch. Die Högler Sandsteine fanden überwiegend als Tür- und Fensterstöcke Verwendung.